Schwarzer Holunder – Kraft und Heilkraft

Es gibt kaum einen Strauch in Mittel- und vor allem in Nordeuropa, der einstmals so hoch in Ehren gehalten wurde wie der Schwarze Holunder. Seine Zweige zu profanen Zwecken zu verwenden oder den Strauch gar zu fällen, halt als Frevel. Und das, obwohl der Holunderstrauch ein eher unauffälliges Gewächs ist und allenfalls zur Blütezeit ins Auge fällt. In der volkstümlichen Heilkunde gilt der Holunder bis heute wegen seiner vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten als äußerst bedeutsam. In früheren Zeiten schrieb man dem Holunder die Kraft zu, als “übernatürlich beseeltes Wesen”  unheilvolle Mächte von Haus und Hof fernzuhalten. Mit derartigen Mächten ausgestattet, hielt der Holunderbusch Einzug in die Sagen- und Märchenwelt.

Der Schwarze Holunder (botanisch Sambucus nigra) wird – auch Holler, Holder oder Flieder genannt. Er wächst als Strauch und kann bis zu sieben Meter hoch werden. Seine Blütezeit ist im Mai und Juni, und seine Frucht reift im September und Oktober und ist schwarz glänzend und beerenartig. Weithin verbreitet wächst der Holunder in Auwäldern, an Wegrändern, Hecken und Zäunen, an Feldscheunen und alten Bauerngehöften. Anspruchslos und wild wachsend in dicken Scheindolden, aus denen unzählige Beeren hervorgehen, gilt der Holunder als älteste wilde Nahrungs- und Heilpflanze. Bereits fünftausend Jahre v. Chr. wuchs er neben steinzeitlichen Pfahlbauten. Beweise dafür lieferten bei Ausgrabungen gefundene Holunderbeerkerne.

Holunder als Heilmittel

Kräuterkundige der ersten nachchristlichen Jahrhunderte wussten um die heilkräftigen Stoffe des Holunders, die in den jungen Blättern, in Blüten, der Rinde und Wurzel enthalten sind.Besonders die Holunderbeeren sind enthalten wertvollen Inhaltsstoffe. Heute verwendet man die Blüten des Sambucus als schweißtreibendes Mittel bei fieberhaften Erkrankungen. Besonders gegen Erkältung ist Holunder ein alt bekanntes Mittel. Die jungen Blätter regen den Stoffwechsel an und werden für Kräuter-Kuren benutzt. Der rotschwarze Fruchtsaft hat sich bei neuralgischen Schmerzen bewährt. Während der Erntezeit des Holunders werden Fruchtsuppen zubereitet, angereichert mit Apfel und Ingwer. In Essig eingelegte Blütendolden geben diesem ein würziges Aroma.

Im Volksglauben spielte der Holunder einstmals eine große Rolle. Ein verdorrter Strauch an Haus und Hof galt als böses Omen und stand für den baldigen Tod eines Familienmitglieds. Andererseits sollte der Holunderstrauch vor allen Arten der schwarzen Magie, vor Feuer und vor Blitzschlag bewahren. Diese schützende Wirkung sei den wohlgesinnten Hausgeistern im Strauch, den Holden – Menschen gern habende Gestalten -, zu verdanken. Um sie bei Laune zu halten, wurden ihnen regelmäßig Opfergaben dargebracht. Hauptsächlich weiße Lebensmittel wie Milch und Butter, aber auch Bier. Viele Geschichten sind überliefert, in denen berichtet wird, was dem Frevler, der es wagte, sich an einem Holunderbaum zu vergehen oder gar zu Brennholz zu entwerten, Schreckliches widerfuhr. Zu den geringsten Strafen zählte etwa, dass ihm Haus und Hof niederbrannte, zu den schlimmsten, dass er oder einer der Seinen umgehend starb und die Familie bis ins soundsovielte Glied vom Unglück verfolgt wurde.

Nach dem Glauben der Germanen hatten Elfen ihren Sitz im Hollerbusch. Und unter einem Holunderbaum brachte man der heidnischen Göttin Holla Opfer dar. Der Holunderbusch inspirierte Christian Andersen zu dem Märchen vom “Fliedermütterchen“. Egal, ob es um übernatürliche Kräfte geht beim Holunder, um Schutz vor unheilvollen Mächten, der Wirksamkeit von Hexenbesen aus Holunderreisig, um glückbringende Holunderruten und was sich Weiteres im Volksglauben um den Holunderstrauch hielt, eines gilt als sicher: Der Holunder hatte zu allen Zeiten eine ungewöhnliche Ausstrahlung auf Menschen. Kein Wunder, dass es früher hieß, man solle, wenn man an einem Holunderbusch vorübergeht, den Hut abnehmen und ihn so Ehrerbietung erweisen.

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